Studie "Arbeit und Leben in Organisationen 2008"

DIE ARBEITSWELT VERÄNDERT SICH SCHNELL UND ZUM TEIL DRAMATISCH. NEBEN DEN GROSSEN LINIEN – WIE DER GLOBALISIERUNG ODER DEM TECHNISCHEN UND DEMOGRAPHISCHEN WANDEL – ZEICHNEN SICH VIELFÄLTIGE VERÄNDERUNGEN IM MIKROBEREICH VON ORGANISATIONEN UND UNTERNEHMEN UND FÜR DIE DORT TÄTIGEN MITARBEITENDEN AB.

Studie: Leistungsträger an der Grenze ihrer Belastbarkeit
Das Ergebnis einer Studie der Wissenschaftler G. Günter Voß und Rolf Haubl mit über 6000 Supervisoren zeichnet ein trübes Bild der Arbeitswelt: Voß und Haubl sprechen von einer tiefgreifenden Krise der Organisationen. Nicht nur die Unternehmen sondern auch die Leistungsträger, die bislang den Wandel zu mehr Flexibilität begrüßt haben, stehen nach Einschätzung der Wissenschaftler an der Grenze der Belastbarkeit.

Der Arbeitnehmer wird zum Unternehmer der eigenen Arbeitskraft. Er muss sich nicht nur selber organisieren, sondern auch selbst vermarkten. Und er muss die Entwicklung seiner marktfähigen Kompetenzen selbst nachhalten und kontrollieren. Der daraus entstehende Effizienzdruck für Arbeitnehmer führt in den Unternehmen zu einem Verlust an Kreativität…

Das sind Kernaussagen aus der aktuellen Studie der beiden Professoren Rolf Haubl, Professor für Soziologie und psychoanalytische Sozialpsychologie an der Frankfurter Goethe-Universität, und G. Günter Voß, Professor für Industrie- und Techniksoziologie an der TU Chemnitz zum Thema "Arbeit und Leben in Organisationen 2008".

Mitarbeiter können natürlich keine neuen Ideen und Lösungen entwickeln, wenn ihnen weder Zeit noch Raum zur Innovation zur Verfügung gestellt werden. Zusätzlich führt die generelle Beschleunigung dazu, dass Konflikte schneller eskalieren, und dass Feindbilder entstehen, die aus Zeit- und Effizienzgründen nicht thematisiert werden, sondern unter der Oberfläche weiter schmoren. In diesen Zeiten wächst nicht das eigentlich so notwendige Vertrauen, sondern Misstrauen und gegenseitige Kontrolle.

Aber auch die Arbeit der Führungskraft ist aufreibend geworden. Sie sind einerseits eine ideale Projektionsfläche für negative Gefühle. Auf der anderen Seite sind sie verantwortlich für die Sehnsucht der Geführten nach Fürsorge und Schutz: Die Mitarbeiter streben nach Verantwortung und Freiraum, erwarten in gleichem Maße aber auch Unterstützung. Aufgrund der Konfrontation mit diesen ambivalenten Anforderungen ziehen sich viele Führungskräfte zurück, was von den Mitarbeitern jedoch als Führungsvakuum erlebt wird: Sie erwarten Gestaltungsmacht der Führungskräfte, erleben diese aber häufig genauso machtlos wie sich selbst. So stehen auch die Führungskräfte wie die Mitarbeiter vor der Aufgabe, selber aktiv Selbstfürsorge zu betreiben: Durch den Aufbau inner- und überbetriebliche Netzwerke, durch die Pflege haltbarer kollegialer Bindungen oder der mutigen Suche nach Handlungsspielräumen.

Neugierig auf diese spannende Studie geworden? Hier können Sie sie anfordern.